Die Pädagogik

Die Pädagogik

Jeder Lebensabschnitt ist anders. In jedem wirkt ein eigenes Prinzip, das eine ganz spezifische pädagogische Qualität fordert. Das kleine Kind braucht vor allem Menschen, die es lieben, pflegen und fördern, damit es sich gesund entwickeln kann. Je früher eine Lebensphase liegt, umso bedeutender ist sie in ihren Folgen für die Biographie.

Die erste Lebenszeit (0-3 Jahre) folgt im Wachstum, in der Entwicklung der Organe, im Erwerben der ersten Fähigkeiten einem natürlichen Rhythmus. Dieser kann gefördert, aber auch gestört und vielfältig beeinträchtigt werden, wenn die äußeren Bedingungen seiner Entfaltung entgegenstehen. Daraus erwächst den Eltern und Erziehern eine gemeinsame Verantwortung. Nie wieder ist der Mensch so lernwillig und so bildsam, nie wieder erwirbt er sich so viele Fähigkeiten wie in der frühen Kindheit. Das Spielen des Kindes ist die fruchtbarste und schöpferischste Zeit, in der die Keime für die späteren Lebensphasen der Biographie gebildet werden. Was und wie gespielt werden soll, zeigt uns das Kind in den Schritten seiner Entwicklung selbst. In den ersten drei Jahren lernt es spielend gehen, sprechen, Gedanken fassen. Bewegung, seelische Äußerungen und innere Aktivitäten sind natürliche Stufen der Entwicklung, die sich in die späteren Phasen des Spielens und Lernens fortsetzen.

In der zweiten Spielstufe (3-5 Jahre) „vertieft“ sich das Spiel des Kindes. Es verbindet sein Erleben intensiver mit dem Tun, bleibt bei einem Spiel, kann länger zuhören, wenn Märchen erzählt werden, malt nicht nur Einzelheiten, sondern ganze Bilder. Das Kind lässt sich ein auf das, was ihm begegnet, es gibt sich dem hin, was in seinem Inneren lebt. Diese Alterstufe will vor allem reiche Anregung. Alle Sinne sollen durch das Spiel angesprochen werden. Zeit und Raum sind notwendig. Deshalb bedarf es ganz verschiedener Spielräume: Puppenecken, Sandkasten, Werkbank usw., aber auch eines zeitlichen Rhythmus im Tagesablauf: freies Spiel, gemeinsames Essen, Spiel im Freien, Spazieren, Erkundung, Reigen, Gruppenspiele und Erzählen.

Das Kind im Vorschulalter (5-7 Jahre) will und kann sich in seinem Spiel zielgerichteten Tätigkeiten hingeben. Sie bleiben schon über eine längere Zeit bei einem Vorhaben. Eigene Vorsätze und Neigungen prägen sich aus und wollen verwirklicht werden. Jetzt sollen Gelegenheiten zum „Arbeiten“ geboten werden, zum Bauen, Hämmern, Nähen, Weben, Kochen, Backen, Putzen usw. Immer wichtiger wird dabei das Vorbild des Erwachsenen. Gruppenspiele, Feste, gemeinsame Unternehmungen üben und pflegen das soziale Zusammenleben mit anderen Kindern.

Diese Zusammenhänge zu erforschen, zu verstehen und ihnen in der Erziehung zu entsprechen, ist das Ziel in der Waldorfpädagogik.

Um dem Kind gerecht zu werden, bedarf es der Hingabe von Eltern, Erzieherinnen und allen anderen Mitmenschen. Es gilt seine Umgebung, seinen Tagesablauf, sein Tun seinem Alter entsprechend sinnvoll zu gestalten und mit ihm zu leben, ihm vorzuleben. Ein Kind ist viel mehr als es scheint. Oft werden Kinder nur versorgt, beschäftigt, müssen sich den Vorstellungen und Bedürfnissen der Erwachsenen anpassen und sind zivilisatorischen Einflüssen der Erwachsenenwelt ausgeliefert. Im Waldorfkindergarten achten wir es als vollen Menschen und fördern es in allen seinen Möglichkeiten, damit es seine individuellen Anlagen und Intensionen verwirklichen kann.